Bericht in Schau.Spiel 10.2

   
 

Laudatio zur Preisverleihung am 17. April 2010 durch Eduard Smetana

Sagt die Enz

Begibt man sich derzeit auf eine Rundreise durch Mundart-Theater hierzulande, gerät man von einer Bauernstube in die andere, von einem Pfarrhaus ins nächste, von einer Kneipe in eine zweite und dritte - und was das zu sehen ist, ähnelt wie ein faules Ei dem anderen.

Um so überraschender ist es dann, wenn eine Theatergruppe einen quasi an der Hand nimmt und sagt: "Doo gugg noo! Des sen mir, desch onsr Hoemat, des sen onsre Gschichta. So siehts aus!"

Ja, und wie das aussieht!
Das ´Theater unter der Dauseck´ erzählt mit "Sagt die Enz" eben nicht, wie das anderswo oft nur bunt, betulich und altbacken geschieht, raunend und wispernd, lokale und regionale Geschichten, Märchen und Mythen.
Ganz im Gegenteil!

Da gibt es erstmal eine hohe, radikale Ästhetik in der Ausstattung: Maske, Kostüme und Bühnenbild sind aus einem Guß und zwingen den Zuschauer mit Plastikgegenständen seines eigenen Alltages zur Konfrontation mit den Formen und Farben der Natur. So entsteht eine neuer, distanzierter Blick aufs Geschehen: das Publikum kann es sich nicht in hergebrachten Sehgewohnheiten gemütlich machen, sondern muß sich mit all den alten Geschichten aufs Neue auseinandersetzen.

Die Regie tut dazu ein Übriges: blitzgescheite, auf- und einleuchtende Ideen beeindrucken ein ums andere Mal: so ungewohnt sich das alles zeigt, so richtig ist es eben auch in Szene gesetzt - dieser Zauber eines Sommernachtstraums ganz eigener Art ist absolut unvergleichlich.

Die Jury verleiht den Oskarle-Sonderpreis 2010 höchst verblüfft und gr-enz-enlos entzückt an das ´Theater unter der Dauseck´ .

"Was für ein phantastischer Spaziergang!" sagt die Jury.

E.S.